Pro Seniore und Pflege

Nun hat die Pflegekraft die den Skandal bei Pro Seniore gemeldet hat, von Klaus Fussek, völlig zu Recht, einen Preis für Zivilicourage bekommen. Pro Seniore ist mit den Problemen nicht allein, aber als Deutschlands größter privater Betreiber eine große Zielscheibe. Gleichwohl sollte man vielleicht in Saarbrücken darüber nachdenken, wie man mit solchen Problemen in der Öffentlichkeit umgeht. Die jetzige Politik der Stigmatisierung der Mitarbeiter, die sich an die Öffentlichkeit wenden, bringt nichts. Statt die Probleme zu leugnen, sollte man lieber offensiv das Thema Qualität anpacken. Langfristig macht es auch finanziell Sinn. Durch die öffentliche Wahrnehmung sind auch die Beziehungen zu der Finanzwelt belastet. Obwohl derzeit Finanzinvestoren fast jeden „Wald und Wiesen“ Betreiber finanzieren, machen die meisten um Pro Seniore einen großen Bogen.

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Einige Gedanken zu “Pro Seniore und Pflege

  1. Lara Herm

    Pflegeleiterin verurteilt

    Demenzkranke Frau verdurstet im Heim

    Dachau – Es ist der Albtraum eines jeden Angehörigen. Die demente Großmutter wird im Pflegeheim so schlecht versorgt, dass sie stirbt. So erging es einer Familie aus dem Landkreis Dachau. Die zuständige Pflegeleiterin stand nun wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht.

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    Immer wieder gibt es Mängel in Pflegeheimen.

    Nach einem Krankenhausaufenthalt sollte sich eine 83-jährige demenzkranke Frau im Herbst 2011 auf Wunsch ihrer Familie in einem Pflegeheim der „Pro Seniore“-Gruppe auskurieren. Anfangs lief alles nach Plan: „Sie war an manchen Tagen topfit. Wir sind sogar eineinhalb Stunden mit dem Rollator spazieren gegangen“, berichtet die Schwiegertochter vor Gericht.

    Doch die 83-Jährige nahm in den folgenden knapp drei Wochen immer weniger Flüssigkeit zu sich – ein typisches Phänomen bei Demenzkranken. In den nur lückenhaft geführten Protokollen des Pflegepersonals sind Werte von 300 bis 1000 Milliliter getrunkener Flüssigkeit pro Tag angegeben. Jeder einzelne Wert liegt unter dem Tagesminimum. Trotz mehrfachen Wunsches der Angehörigen weigerte sich das Pflegepersonal, einen Arzt hinzuzuziehen. Die Mitarbeiter hätten zynisch auf die Aufforderungen der Familie reagiert: „Lächerlich“, sei die Bitte, man könne nicht wegen jeder Lapalie den Arzt rufen, habe eine Pflegerin zu ihr gesagt, berichtet die Schwiegertochter.

    Als sich der Zustand der Patientin weiter verschlechterte, beschlossen die Angehörigen, ihr Familienmitglied zu Hause zu pflegen. Doch dazu kam es nicht mehr. Der zur Abholung gerufene Zivi sagte, er könne die Frau in diesem schlechten Zustand nicht transportieren. Als sich die 83-Jährige im Krankenbett mehrfach übergab und über Schmerzen klagte, riefen die Angehörigen den Notarzt.

    Doch der Krankenhausaufenthalt kam zu spät. Einen Tag später starb die Frau im Dachauer Krankenhaus. Die von der Gerichtsmedizin bestätigte Todesursache: Nierenversagen, ausgelöst durch zu wenig Flüssigkeit im Körper. Die Mitarbeiter hätten die Unterversorgung bemerkt, dokumentiert, aber nicht adäquat reagiert, so die Sachverständige. Auf der Anklagebank des Dachauer Amtsgerichts saßen gestern aber weder die Pfleger, noch deren erste Anlaufstelle, die Wohnbereichsleitung, sondern die Pflegeleiterin als oberste Instanz des Heims. Sie beteuert vor Gericht, nicht über den Fall informiert worden zu sein. „Es tut mir furchtbar Leid, was da passiert ist. Ich hatte keine Kenntnis von den Mängeln.“ Auf die Frage des Richters, wie so etwas passieren könne, antwortete sie kapitulierend: „Das ist der ewige Kampf im Pflegeheim.“ Weder Personal, noch die betroffene Familie hätten sich an sie gewandt.

    Amtsrichter Lars Hohlstein verurteilte die Pflegeleiterin zu einer Geldstrafe von 5400 Euro und blieb damit unter der Forderung der Staatsanwaltschaft nach einer Bewährungsstrafe. Die Angeklagte sei der fahrlässigen Tötung durch Unterlassung schuldig. „Aber es war keine bewusste Unterlassung“, so Hohlstein, die eine Freiheitsstrafe gerechtfertigt hätte. Ob das Unternehmen Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen wird, steht laut „Pro-Seniore“-Sprecher Peter Müller noch nicht fest.

    Dominik Göttle

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