Wie ist es mit der Qualität der Pflege bestellt?

Es ist eigentlich einfach: Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) hat den zweiten Bericht nach § 118 Abs. 4 SGB XI publiziert. Darin stand, dass gegenüber dem ersten Bericht eine deutliche Verbesserung der Pflegequalität stattgefunden hat, allerdings zum Teil auf der Grundlage eines niedrigen Ausgangsniveaus. So war der Pflegezustand bei 90% aller untersuchten Bewohner als angemessen zu bezeichnen. Beim ersten Bericht war es bei 82,6%. Die Reaktion der Allgemeinheit kann nur unter dem Begriff Massenhysterie subsumiert werden. Angeführt von der BILD Zeitung aber auch von der FAZ stellt die Presse fest, wie schlecht die Versorgung ist. Man fragt sich natürlich warum vor 2 Jahren beim ersten Bericht das mediale Echo so gut wie nicht vorhanden war.

Wie sieht es wirklich aus: Nach meiner Erfahrung (wir haben immerhin in der Jahren über 100 Einrichtungen unter die Lupe genommen), ist immer noch die Situation nicht optimal. Die Grundlage dafür ist allerdings nicht, dass man neue Gesetze braucht sondern dass man die vorhandene gar nicht richtig anwendet. Wo bleibt der seit 2002 eingeführte Leistungs- und Qualitätsnachweis, bei dem die qualitativen Absprachen mit den Kassen geprüft werden?? Und wie soll man mit den jetzigen Sätzen viel mehr an Leistungen erwarten?

Aber immerhin hat das Ganze eine positive Seite: Das längst überfällige Pflegeheim Ranking kommt. Und das wird auch hoffentlich das Ende bedeuten für den Wildwuchs an TÜV Plaketten und Qualitätssiegeln die wir derzeit haben.

Share

Einige Gedanken zu “Wie ist es mit der Qualität der Pflege bestellt?

  1. Schwab Martina

    Wir müssen der Pflege eine neue Richtung geben

    Es wird viel geforscht in der Pflegewissenschaft, doch der qualitative und finanzielle Erfolg bleibt aus.
    Viele Studien in der Pflegeforschung bringen interessante Erkenntnisse hervor, doch in der Pflegepraxis sind sie aus zeitlichen, pragmatischen und bildungstechnischen Gründen kaum umzusetzen. Entweder sie sind hochtheoretisch aufgebaut, so dass sie eine gelernte examinierte Pflegefachkraftkraft nicht verstehen und umsetzen kann, oder sie müssen für die Pflegepraxis erstmal strukturiert werden, um sie dann direkt umzusetzen zu können.
    Dies Bedarf akademisch gebildeten Personal, das aber entweder nicht vorhanden ist oder entsprechend finanziert werden kann. Heutige Pflegezeitschriften lehnen sich an Studien und deren wissenschaftliche Aussagen, die für nicht akademisch gebildete Pflegefachkräfte nicht reflexiv und einschätzbar sind.
    Beim Kongress für Pflegewissenschaften in Nürnberg kam es deutlich herüber. Es wird zwar viel geforscht, aber es ändert sich nichts in der Pflegelandschaft.
    Nach wie vor werden spezielle Qualifizierungen und Hochschulabsolventen nicht adäquat entlohnt. Die Anerkennung in der Gesellschaft bleibt unverändert gering. Pflege ist sogar ein Tabuthema für die modernen Menschen. Dazu unterstützen die Medien mit aktiven alten Menschen die die Vorstellungen von jung und fit bis ins hohe Alter aufzeigen. Gleichzeitig immerwiederkehrend die beschämenden Schlagzeilen über Pflegedefizite in allen Bereichen.
    Der Pflegeprozess und deren Dokumentation werden weiterhin vom MDS bemängelt.
    Leistungen der Pflege orientieren sich an der direkten Pflege und übersehen administrative Aufgaben, wie Schreibarbeiten, Beratung, Beziehungsarbeit und Zuwendung.
    Ständig ergänzende und kontrollierende Gesetze führen zu mehr Verwaltungsarbeiten, die letztendlich an der direkten Pflegezeit am Patienten abgehen.
    So werden die Pflegezeiten aus ökonomischen Gründen, immer weiter eingeschränkt dies führt zu Qualitätsverlusten der eigentlichen Pflegeleistung. Die Pflegekräfte sind nur noch an ihrer zu bewältigenden Arbeit interessiert. Das Pensum muss erfüllt werden.
    Alle Veränderungen führen zur Mehrarbeit.
    Pflegekräfte sind überfordert durch ständige Veränderungen und Anpassungen der Theorie und Praxis an Haftungsbestimmungen und neuen gesetzlichen Regelungen. Bei engagierten Pflegekräften führt das oft zum Burn out Syndrom. Man arbeitet dann lediglich mechanisch nur noch sein Arbeitspensum ab, wird krank oder gleichgültig und macht Fehler, bis zur Depression.
    Geforderte und benötigte Fort- und Weiterbildungen werden zur Belastung.
    Dazu kommen auch die immer höheren Ansprüche der Gesellschaft und die Folgen der demographischen Veränderungen, wie die Zunahme von chronischen Erkrankungen, Hochaltrigkeit oder Singlehaushalte.
    Verbände gibt es genug, eher zuviel. Sie beklagen die Interressenlosigkeit der Pflegekräfte die Mitgliedschaften aus zeitlichen, familiären oder perspektivlosen Gründen vermeiden. Denn auch die Welt der Verbände konnte bisher noch keinen Schwerwiegenden Einfluss auf die momentane Pflegesituation nehmen. Mitgliedsbeiträge und Teilnahme an Arbeitskreisen oder Versammlungen, versprechen nicht die Erwartungen.
    Die Vielfältigkeit der Pflegeberufe führt zu Übersichtslosigkeit. Die integrative Ausbildung wird zwar von der Seite der Pflegewissenschaft gefordert, ist aber in der Realität noch ein Stiefkind in der Landschaft der Pflegeausbildung. Die Hochschullandschaft passt sich den Bachelor- und Masterstudiengängen an, wobei sie zielgesetzte Richtungen nur unklar darstellen kann. Wo sich die Einen Pädagogen mit der integrierte Ausbildung eine dreijährigen oder sogar einjährigen examinierten Pflegekraft auseinandersetzen, müssen sich Hochschulen mit Zugangsvorraussetzungen und Lehrinhalte, so wie Berufsziele und Vergleichbarkeit mit bestehenden Strukturen versuchen.
    Die Ausbildung der Pflegeberufslandschaft ist vielfältig. Dennoch ist eine Zuordnung der unterschiedlichen Qualifikationen nicht klar umschrieben. Wann wird eine Hochschulausbildung vorausgesetzt? Wie viel wissenschaftliches Grundlagenwissen benötigt eine Pflegekraft oder leitende Pflegekraft?
    Immer wieder hören wir aus der Pflegepraxis, dass wissenschaftliche Erkenntnisse nicht umgesetzt werden können, es fehlt die Zeit, finanzielle Mittel und das Interesse.
    Dazu erklären Politiker, dass Laienpflege mit Beratung unterstützt wird und ausreichend ist.
    Professionelle Pflege ist aus sozio-ökonomischer Sicht teuer.
    Die Schere von Theorie und Praxis klafft trotz evidenzbasierten Bemühungen weiter auseinander. Genauso wie die Schere zwischen ärztlichen und pflegerischen Personaleinsatz in den Krankenhäusern. Statt Vernetzung der Berufsgruppen entstehen konkurente Macht und Finanzierungskämpfe. Dazu kommt die allgemeine gesellschaftliche Wertlegung auf Materialismus, Ökonomie und Technik.
    Ökonomisch gesehen werden gering vorhandene Produkte oder Dienstleistungen in der Gesellschaft wertvoller und höher finanziert, als quantitative. Genauer gesagt, gibt es viele Pflegebedürftige, werden sie zur Last der Gesellschaft, dann wird ihr Wert geringer.
    Macht wird immer wichtiger. Wenn eine Gesellschaftsgruppe innovativ für mehr visuelle und transparente Effekte sorgt, heißt das nicht unbedingt wertvoller zu werden, sondern eher verletzbarer, durch allgemeine Unwissenheit. Es stellt sich die Frage: Wie geht es weiter mit der Pflegewissenschaft, dass sie auch wirklich anerkannt wird?
    Die Welt der Pflegewissenschaft bemüht sich um transparente Darstellung ihrer Arbeit, um Daseinsberechtigung des Berufsstandes und der Gerechtfertigung gegenüber betriebswirtschaftlichen Interessen. In erster Linie fehlt der Pflege eine Basis. Pflegetheorien zeichnen Tätigkeiten im Alltag ab ebenso die Pflegeversicherung, als auch DRG’S. Sie sehen die direkten Pflegeleistungen am Patienten. Es wird zwar über den Verwaltungsaufwand diskutiert, der sich danach wieder erweitert, so wie wissenschaftliche Erkenntnisse (siehe Expertenstandards) auch, doch die Transparents der Pflegearbeit zeichnet sich nur in kleinen Etappen ab. Das hat auch seinen Grund.
    Wenn ich das mit einem Menschen beschreiben will, hat die Pflege einen Kopf, Hals, Arme, Beine, einen Bauch aber sie kann nicht stehen, weil es ihre Füße noch nicht gibt.
    Einige Wissenschaftler/innen behaupten, dass sie nahe dran sind. Das stimmt so nicht.
    Man zerstreut sich im Wald der betriebswirtschaftlichen Nachweise, doch die Basis der Pflege ist immer noch der individuelle, ganzheitlich zu sehende und beschreibende Mensch.
    Genau hier muss Pflegewissenschaft ansetzen. Der Arzt muss erst die Anatomie, Physiologie und deren Veränderungen kennen, um praktizieren und operieren zu können. Ein Automechaniker muss die einzelnen Teile des Auto’s kennen und ein Rechtsanwalt muss die Gesetze kenne. Ein Gesundheitsökonom die Sozioökonomie und ein Pflegender? Die Pflege muss den ganzen Menschen kennen. Auch die einzelne Pflegekraft muss lernen, ihre Individualität und ihrer Ganzheitlichkeit, wahr zu nehmen, bewusst zu machen und zu verstehen.
    Das kann die Pflege nur dann, wenn ihr der ganzheitliche individuelle Mensch in seiner Komplexität anhand von Ordnungsstrukturen bewusst gemacht wird.
    Jeder Mensch handelt trotz eines generellen Ausbildungsstandards nach seiner eigenen individuellen Ganzheitlichkeit. Diese gilt es in die Ausbildung der Pflegeberufe und wissenschaftlichen Arbeit zu übernehmen. Grönemeyer schreibt in seinem Buch: Lebe mit Herz und Seele. Wir müssen zwar analysieren, aber auch synthetisieren, damit wir den Überblick in der komplexen Welt nicht verlieren. Darin sehe ich auch die Chancen der Pflege. Durch den assistierenden Hilfsberuf der Medizin, ließ sich Pflege nur schwer abgrenzen.
    Die Abgrenzung besteht in der Sichtweise des individuellen und ganzheitlichen Menschen anhand eines Basiskonstrukts das ich Ihnen nachfolgend visuell darstellen möchte. Eine Erklärung dazu ergibt sich aus der Basisdarstellung und den Beziehungen zueinander. Besonders aber in der Selbsterkenntnis durch Selbstreflexion der eigenen Identität.
    Die Darstellung ist sehr abstrakt und kann bis in kleinste Winkel aufgeschlüsselt werden.
    Aber genau dies sind die Elemente mit denen sich Pflege täglich auseinandersetzt. Wir müssen uns eine Basis schaffen um Beratung, Vermittlung und Leistung gesellschaftlich als auch politisch anerkannt zu bekommen.
    Frau Krohwinkel hat in ihren AEDL die Beziehungen mit aufgenommen. Doch wir müssen uns mit den Ausmaßen der Beziehungen auseinander setzen. Die Qualität der Arbeit ist so vielfältig, um sie zu kategorisieren ist Grundlagenwissen und Orientierung notwendig.
    Ein Beispiel ist die Angehörigenarbeit. Wir haben unterschiedliche Beziehungen zu den gleichen Menschen, verstehen, fühlen und kommunizieren dadurch auch verschieden.
    Ein anderes Beispiel ist die Wahrnehmung, die beim Patienten, der Pflegekraft oder den Angehörigen sich unterscheidet, genau daraus resultiert die Vielfalt der Pflegeplanung.
    Wir können sie standardisieren, dann ist sie aber nicht individuell und ganzheitlich. Sie verlangt von prüfenden eine hohe Akzeptanz, aus Sicht der einplanenden Pflegekraft. Natürlich können wir all das begründen, wenn wir eine individuelle ganzheitliche theoretische Grundlage vorlegen. Das heißt ein entsprechendes Konzept erstellen. Jeder Mensch kann aufgrund seiner Autonomie und Kompetenz leben und wird auch so anerkannt.
    Allein die visuelle Wahrnehmung, ist ein situativer individueller Vorgang, der von keinem zweiten Menschen in der gleichen Dimension und Intensität erlebt wird, höchstens ähnlich.
    Pflege benötigt eine Basis um ihre Arbeit transparent darzustellen.
    Diese Basis orientiert sich nicht nur nach betriebswirtschaftlichen Interessen, sondern der menschlichen Evolution aus allen direkten und indirekten Elementen des Lebens. Wir müssen keine Pflegeanamnese erstellen sondern eine Gesundheitsanamnese, die sich am Basiskonstrukt und dem situativ wahrgenommen Pflegeprozess orientiert.
    Die Pflege des Menschen darf der Komplexität des Menschen nicht ausweichen, sondern muss versuchen sie zu verstehen, so wie es die Soziologie im Interesse der Gesellschaft aufzeigt. Eine genaure Beschreibung dieser Basisstruktur umfasst ein literarisches Werk, deshalb möchte ich sie heute erstmal neugierig darauf machen und es erst dann herausgeben.. Der Pflege eine altbekannte neue Richtung geben.

    Martina Schwab
    [email protected]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.