Billige Pflegeheime

..sind jetzt im Visier der Presse geraten. So schreibt Christoph Lixenfeld in der WELT „Die Billig-Altenheime müssen endlich weg„. Begründet wird dies durch die skandalöse Behandlung alter Menschen, über die sich niemand aufregt oder keine Folgen hat. Mit Verlaub, Herr Lixenfeld, das ist billiger Populismus. Natürlich haben Pflegeheime als Sammelbehälter von einsamen Senioren ausgedient. Natürlich müssen die Fehlanreize in der Pflegeversicherung endlich weg, die selbst Senioren mit geringer Pflegebedürftigkeit dazu motivieren, ins Heim zu gehen. Aber die Vorstellung zu erwecken, wir werden alle in unserem trauten Heim alt, gepflegt von unserer Familie, oder liebevollen (meistens polnischen) Pflegekräften, ist nichts anders als Manipulation der Massensehnsüchten, um Bücher zu verkaufen. Die Heime haben und werden auch künftig eine Berechtigung haben. Nicht als Verwahranstalten und sicherlich nicht so, wie viele Heime heute sind. Sie werden da ihre Berechtigung finden, wo die Menschen hoch und höchstbetagt sind. Sie sollten auch mehr durch den Respekt für den Menschen geprägt sein und eine bessere Pflege anbieten. Und die „Billig“ Altenheime sollten sich nicht durch die Qualität der Pflege differenzieren, sondern durch die Rahmenbedingungen der Baulichkeit. So wie übrigens auch alle andere Leistungen der Sozialhilfe.

P.S.: Wer meint die Qualität der Pflege, die durch Angehörigen oder ambulante Dienste erbracht wird, ist einwandfrei, oder wesentlich besser als im stationären Bereich, kennt die Realität nicht. Wenn die Angehörigen über lange Zeit überfordert werden, sind nicht selten Situationen zu finden, die in einem Pflegeheim sofort zur Untersagung des Betriebs führen würden.

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4 Gedanken zu “Billige Pflegeheime

  1. M. Paillon

    Die Presse ist da, Willkommen Herr Lixenfeld…

    als Mitarbeiter der viel beschriebenen Seniorenbranche im Heimbereich würde ich Sie oftmals sehr gerne zur Dokumentation einladen!
    Dann, wenn Bewohner in unser Haus einziehen, die nicht einmal das sprichwörtliche Hemd am Leibe tragen und sich nach einem Gang durch die Dusche, den Frisiersalon, vorbei an der Podologin und der Kleiderkammer, wie neue Menschen fühlen…
    Dann, wenn die Bewohner, die liegend einzogen, erst im Rollstuhl durch den Park gefahren werden und sich später unter Umständen stolz am Rollator versuchen…
    Nach ein paar Wochen, wenn diese Menschen im Kreis der Kleingruppen sitzen und alte, vertraute Lieder singen…
    Dann, wenn Angehörige sich mit Tränen in den Augen wundern, dass ihre Mutter die ersten Worte seit Jahren wieder spricht…
    Dann, wenn diese Menschen vor ihrem Geburtstagskuchen stehen und sich gerührt an früher erinnern…
    Dann, wenn Bewohner das angebotene Einzelzimmer, auf das sie eventuell ein bisschen warten mussten, ablehnen, weil sie sich nicht mehr vom Zimmernachbarn trennen wollen,
    mit dem sie sich angefreundet haben. Ein Mitbewohner, für den sie jetzt Verantwortung übernehmen möchten – wann hat man ihnen dies zuletzt zugetraut, ihnen eine Aufgabe gegeben?
    Werter Herr Lixenfeld,
    es gibt viele Gelegenheiten, Sie einzuladen, Sie sind herzlich willkommen – sollte es ihr Zeitplan erlauben. Wie ich las, sind Sie ein vielbeschäftigter Herr auf Ihrer Suche nach Negativschlagzeilen. Wenn Sie aber einmal ein paar Tage ausspannen und sich in schöner Atmosphäre „zu Hause“ fühlen möchten, Probewohnen in einem Seniorenheim ist womöglich eine ganz neue Erfahrung.
    Natürlich dürfen sich Häuser keinesfalls durch die Pflegequalität unterscheiden, es wird auch daran gearbeitet. Mit verbindlichen Expertenstandards, die schrittweise entwickelt werden, wird Expertenwissen für den pflegerischen Einsatz der Einrichtungen und Dienste konkret definiert. In Form eines Leitfadens aufbereitet, steht diese Expertise im Alltag professionell Pflegenden zur Verfügung, die Qualität wird zudem vergleichbarer.
    Dennoch wird es, auch regional bedingt, immer Häuser verschiedener Ausstattungen und Angebote geben, dies unterscheidet sich nicht vom normalen Alltag.
    Auch dort wohnt nicht jedermann in der Schlossallee oder Parkstraße.

    Mit freundlichen Grüßen
    M. Paillon

  2. Christophe

    Der Staat sollte mehr Geld für die Alterspflege bereitstellen, dass auch mehr Personal eingestellt werden kann. In den meisten Fällen der Vernachlässigung ist es ein Zeichen der dauernden Unterbesetzungen in den Heimen.

  3. Wolfgang

    Zu der Marseille Gruppe den selbsternannten Discounter unter den Anbitern von Pflegeheimen.
    Es wäre sicherlich mal ein paar Zeilen Wert, wenn wieder mal Berichte zum Wirken und Schaffen der errichteten Altenheime und Ihrer Wohnqualität auftauchen und zur Bezahlung seiner Leute im Bauhandwerk. Siehe zum Beispiel Standort Gera, die neu eingestellten Kollegen aus Gera und der Umgebung. 1200- 1300 Euro pro Monat Brutto und sog. All IN ONE Dienstvertrag. Natürlich läuft alles unter der Rubrik Betriebshandwerker.
    Typische Arbeit waren Entkernung (also Zwischenwände entfernen, Putzen, Mauern, und im sehr großen Maß Trockenbau. Sowie Elektroarbeiten Sanitär –und Heizungsbau.
    Ein Beispiel und wohl das Gravierendste. Die Bäder im Haus A (linker Teil des Gebäudes, des ehemaligen Wismut Wohnheimes)
    sind nicht wie es die DIN fordert doppelt grün beblankt, sondern mit einmal weiß (Gibskartonbauplatte) und oben drauf dann „Die Grüne“.
    Schallschutz und Wärmeschutz eingebaut in die Metallständerwände wurde sicherlich nur vergessen. Eigentlich auch überflüssig bei einer Grundmiete von 500 und Euro.
    Das einige Baubüros schon gehen mussten und Bauleiter liegt sicherlich auch daran, das diese komplett alle unfähig waren.
    Der so genannte Teil B (rechter Teil des Hauses) wird nach neuester Planung nur notdürftig fertig gestellt. Termin 31.03.2008.
    Verantwortlich für das fröhliche Schaffen ist Torsten Schneppe (Regionalleiter) und vor Ort Position unbekannt aber das Sagen hat Herr Streit. Gemeggert wird nicht und fachliche Hinweise sind unerwünscht da ja eh alle keine Ahnung haben.
    Ach ja, bevor ich es vergesse. Kollegen die in anderen Städten geschafft haben, wie zum Beispiel Leipzig, Potsdam usw. behaupten ganz kühn das es danach die bauausführende Firma nicht mehr gibt, sie alleÄnderungsverträge unterschreiben müssen oder gefeuert werden. Das kann aber sicherlich nur ein böswilliges Gerücht sein.
    In Gera nennt sich die Firma jedenfalls noch DL Immobilien GmbH & Co. „Altmark Ansgar“ KG denn mit den Namen wurde sie für das zubauende Objekt ehemaliges „Wismut Wohnheim“ gegründet. Nächste Schaffenspunkte sind Hoyerswerda, Magdeburg.
    Mit Gruß Wolfgang

  4. Diana

    Hallo Wolfgang,

    ich bin Rechtsanwältin und vertrete gerade einen ehemaligen Kollegen von Ihnen.
    In diesem Fall wäre ein Hinweis auf derzeit noch aktuelle Bauvorhaben der DL Immobilienverwaltung sehr hilfreich, da Ihr Kollege und viele andere wegen angeblich fehlender Bauaufträge entlassen wurde.

    Danke

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