Nachdenklich..

hat mich eine Pressemitteilung eines geschätzten und kompetenten Kollegen gestimmt. Hier heißt es, der Markt ist stabil, nach einer Zeit der Renditekompression hat man jetzt einen stabilen Bereich erreicht. Die Investoren sollten sich endlich einen Ruck geben und realisieren, dass Pflegeheime ein konservatives, ja fast "Witwen und Weisen" taugliches Investment darstellen, da der Staat ja dahinter stehe. Zeit zurück zu kommen, da "..die Volatilität von Pflegeimmobilien deutlich geringer als in anderen Bereichen (sei)". Exakt am gleichen Tag las ich im ein Kommentar von Frau Schmidt, MdB SPD mit dem Titel "Jubelfeier im Altenheim – aber für wenn?". Exakt die andere Richtung, frei nach dem Tenor "Wer braucht außer den gierigen Betreibern eigentlich noch Altenheime?" und abschließend mit der Bemerkung "..und die Fäustchen gerieben, Herr Betreiber. 10 Prozent Rendite werden die alten Leutchen für Sie schon abwerfen! ". Ob es uns Beratern passt oder nicht, ist diese Einstellung immer stärker in der Bevölkerung vertreten, widerspiegelt sie doch die Abneigung vor der Institution Heim, um dessen Ruf es wahrlich nicht zum Besten bestellt ist.

Die Rendite eines Investors hängt nicht von dessen Gier ab (auch wenn diese Ansicht in der Bevölkerung und in der Politik weit verbreitet ist), sondern primär vom Risiko des Investitionsobjektes. Deswegen wirft eine Büroimmobilie mit einem 20 Jahres Mietvertrag mit dem deutschen Staat z. B. eine sehr niedrige Rendite ab.

Ich glaube, das Risiko in der Pflegeimmobilie hängt von politischen Einflüssen, gesellschaftlichen Strömungen und Diskussionen über Werte in unserer Gesellschaft viel mehr als manche realisieren. Der Bereich Pflegeheim ist vorzüglich für billigen Populismus geeignet, mit teilweise verheerenden Auswirkungen für die Betreiber. Ich kenne etliche Betreiber, die z. B. nach den Artikel der BILD Zeitung über Pflegeskandale einen Belegungseinbruch erlebt haben. Ich glaube ferner, dass in unserer Gesellschaft die Diskussion über die Solidarisierungsfähigkeit zu den vorangegangenen Generationen ständig verdrängt wird. Es muss sich dabei nicht, wie ein Betreiber mal behauptete, um die "Rache der 68er Generation an ihre Eltern" handeln. Umso geballter werden eines Tages die Wirkungen sein, wenn man ernsthaft in die Wertediskussion um unseren Beitrag für die Senioren einsteigt.

Was sollte man als Investor machen? Zum einem niemals vergessen, dass man das Investment von den Schicksalen der Menschen nicht trennen kann, für die das Investmentobjekt den Lebensraum definiert. Zum Anderen, braucht man deswegen die höhere Rendite, weil das Risiko nicht geringer, sondern eher höher geworden ist, dass man eines Tages nochmal investieren muss, damit das Objekt den Anforderungen des Marktes oder des Zeitgeistes, oder der Poltiker entsprechen kann. Es liegt mitnichten ruhiges Fahrwasser vor uns.

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